Diese Zwangsarbeiter bewachten auch sein Hab und Gut vor Plünderungen, bevor er mit Handkarren seine Werkzeugmaschinen und seine Vorräte im Frühsommer 1945 nach Fürth zurück schaffte. Es gab in deutschen Haushalten damals fast nur noch defekte Rundfunkempfänger (viele intakte Geräte waren von den alliierten Militärbehörden beschlagnahmt worden, denn für die meisten amerikanischen Soldaten, also nicht nur für die Russen, war das Hightech, das sie da 1945 in den deutschen Wohnzimmern vorfanden), und den Radiohändlern fehlten nicht nur Ersatzteile für die Reparatur, sondern vor allem Fehlersuch- und Röhrenprüfgeräte.
Solche Prüfgeräte stellte Grundig nun in Serien her, nachdem er in einem Hinterhofgebäude der Fürther Jacobinenstraße eine Art Waschküchenfabrik eingerichtet hatte. „Dort hatten vorher Polen gehaust", erinnert sich Grundig. Die Räume waren völlig verwanzt. Wir schrubbten die Wände ab und fingen an zu arbeiten."
Für seinen kleinen Fertigungsbetrieb konnte Grundig sieben arbeitslose Fachleute gewinnen, darunter seinen heutigen kaufmännischen Direktor Otto Siewek, der mit den Entnazifizierungsbehörden kollidiert war und seine frühere Stellung als Geschäftsführer einer großen Radiohandelsfirma hatte aufgeben müssen.
Siewek wandte sich an seinen Wuppertaler Bekannten Erich Rüsing, einen Radio-Großhändler, der sich nach 1945 als Großkompensator betätigte. Rüsing verstand es, mit offizieller Genehmigung die Lagerbestände der Ruhrindustrie in Lebensmittel und andere Konsumwaren des dringenden Bedarfs "umzuwandeln" und organisierte nun für Grundig einen systematischen Nachschub an Drähten, Kernblechen, Rundfunkröhren und Kohlen. Das Rohmaterial wurde zu Meß- und Prüfgeräten verarbeitet. Später beteiligten sich auch noch der Essener Rundfunkgerätehändler Egon Echt, der in Bochum einen Kompensationsstützpunkt hatte, und weiterhin ein ehemaliger Pferdehändler an dem Nachschubdienst.
Die Tauschhändler drängten Grundig, nicht nur Hilfsmittel für den Radiohandel, sondern komplette neue Rundfunkgeräte zu bauen, um Ersatz für die vielen von der Besatzungsmacht beschlagnahmten GeGeräte zu beschaffen.
Rundfunkapparate waren stärker gefragt denn je. Die alte Rundfunkindustrie war völlig ausgeschaltet; ihre Betriebe lagen zu 80 Prozent in Berlin oder in Mitteldeutschland und waren dort demontiert oder enteignet worden. In dem größten konzernfreien westdeutschen Rundfunkwerk Saba in Villingen hatten sich französische Besatzungssoldaten eingenistet.