Grundig drang unnachsichtig auf Abnahme der vollen Quoten, obwohl er die Werksvertreter mitunter für ungewöhnliche Hilfsleistungen in Anspruch genommen hatte: Die Kapitaldecke seines zu schnell gewachsenen Unternehmens war trotz des prompten Warenumschlags und des schnellen Geldrückflusses zu kurz, so daß Grundig bisweilen Gefahr lief, Betriebskosten, Wareneinkäufe, Investitionen und Steuern nicht termingerecht bezahlen zu können.
In dieser Situation wandte sich Grundig an die Banken, denen er damals (1949/50) aber noch nicht kreditwürdig genug war. Nur die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank riskierte es, Grundig gegen entsprechende Sicherheiten Geld zu leihen. Die Sicherheiten mußten die Werksvertreter stellen, wofür Zessionen (Forderungsübertragungen) von Teilzahlungsverträgen in Anspruch genommen wurden.
Eine weitere Finanzierungsquelle erschloß Grundig, indem er sich von den Werksvertretern Wechselakzepte aushändigen ließ, obwohl die Werksvertreter ihre Lieferschulden bereits durch die Zessionen getilgt hatten. Grundig ließ die von den Werksvertretern mit Akzepten versehenen Wechselformulare bei der Bayerischen Hy-po diskontieren, das heißt, er bekam dafür Bargeld. Die Bank refinanzierte sich anschließend durch Weitergabe der Papiere an die Landeszentralbank. (Dazu benötigten die Wechsel mindestens zwei gute Unterschriften, nämlich den Namen Grundig und den eines Werksvertreters.)
Daß es sich dabei um Wechselmanipulationen handelte, geht aus einem Beruhigungsschreiben hervor, das die Bayerische Hypo an einen verschreckten Werksvertreter richtete: „Die schriftliche Zusage (des Bankinstituts), daß es den Werksvertreter aus den Wechselziehungen nicht in Anspruch nehmen wird, dürfte die unbedingte Gewähr bieten, daß sie eingehalten wird. Die Besorgnis, die Landeszentralbank könnte als gutgläubiger Dritter alle Wechselverbundenen in Anspruch nehmen, scheint uns allen Erfahrungen zu widersprechen."
Erinnert sich Grundigs ehemaliger Werksvertreter Hermann Hagen, 57, aus Köln: „Jeder von uns mußte 1949 Akzepte für Wechsel über 20 000 bis 30 000 Mark geben."
„Wir haben stets eine rationelle Finanz-und Steuerpolitik betrieben", so rühmt Grundigs Finanzberater Josef Schäfer seine Hilfeleistungen. Im Fürther Finanzamt verdichtete sich jedoch der Eindruck, daß Grundigs Steuerpolitik anfechtbar sei. Wütend beschwerte sich der Firmenchef über die lästigen Recherchen der fiskalischen Betriebsprüfer. Die Firma drohte 1949/50, einen Teil der Belegschaft zu entlassen, falls die Schnüffelei nicht aufhöre. Das aber konnte den damaligen Präsidenten der Oberfinanzdirektion Nürnberg, Professor Dr. Dr. Grabower, nicht abhalten, eine gründliche Durchleuchtung der Firma Grundig anzuordnen.