Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .
. . . sind diese RDE Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.
Also, wie war das wirklich mit der Entwicklung des Tonbandes und des Tonbandgerätes?
Wann ging es los, wer waren die Beteiligten? Wieviel und welche Rolle haben der Zufall und das Schicksal dabei gespielt?
Das ist eine lange Story, zum Glück ist sie jetzt vorbei. Die Magnetband Technologie ist (fast) ausgereizt. Hier mixen wir die Legenden mit den Aussagen und Inhalten von diversen Büchern und Artikeln und Sonstigem aus allen Enden und Ecken des Internet zusammen.
Ob das alles wirklich "wahr" ist, lassen wir dabei offen. - Urteilen Sie selbst.
Das beschäftigte schon viele Gelehrte vor 1900. Es gab da die Entdeckung der "Magnetisierbarkeit" eines bewegten dünnen Stahldrahtes kruz vor 1900. Die Idee dazu war schon früher da.
Als Oberlin Smith damals Anfang 1878 den Forscher Thomas Alva Edinson mit dem Cylinder Phonographen in seinem Labor in Menlo Park NJ besuchte, bewegte ihn danach nur noch ein Gedanke, nämlich, wie er diesen Phonographen mit einer anderen Methode verbessern könnte. Er wollte einen magnetischen Draht auf einer Spule benutzen anstelle Edisons Methode mit der Nadel auf dem Wachszylinder. Er hatte zwar am 23.Sept. 1878 alles präzise aufgeschrieben und auch einen Artikel in der "Electrical World" in Sept. 1888 veröffentlicht, der sogar auch in Frankreich bei Lumiere Electrique veröffentlich wurde, nur hatte er seine Idee nie in die Tat umgesetzt. Doch die Idee war geboren.
1900 - Poulsons Eisendraht Patent
Erfunden oder entdeckt und realisiert hatte das Aufzeichen von Tönen auf dünnen Eisendraht der Däne Valdemar Poulsen (1869-1942) so ca. 1898. Doch das war eine unausgereifte physikalische mechanische Spielerei. Poulson war seit 1893 bei der Copenhagen Telephone Company angestellt und machte Versuche mit der Aufzeichnung von Telefongesprächen. 1899 bekam er das Patent 661,619 für einen hochkant stehenden mit Draht umwickelten Zylinder (Trommel). Er nannte sein Gerät Telegraphone.
Obwohl Poulson auf der Weltausstellung 1900 in Paris einen Preis bekam und auch die Stimme von Kaiser Franz Josef aufnahm (die älteste Tonaufzeichnung der Welt), erinnert diese Technik an den aktuellen Niedergang des Cargolifters, mit dem auch die Physik überlistet werden sollte. Er meldete für seine Erfindung einen Haufen Patente auf der ganzen Welt an. Über die diversen Draht-Rekorder in Europa und den USA kommt noch mehr in den folgenden Absätzen.
1900 - Magnettongerät von Mix und Genest Berlin
Im gleichen Jahr, in dem Poulsen auf der Pariser Weltausstellung ausgezeichnet wurde, erblickte noch ein weiteres Magnettongerät das Licht der Welt. Es wurde von Mix und Genest in Berlin herausgebracht, die ebenfalls Draht als Tonträger verwendeten. Die Drahtgeschwindigkeit betrug 200 cm/sec, und die maximale Aufnahmezeit war, ebenso wie bei Poulsens erstem Gerät, nur kurz: 50 Sekunden.
Nicht lange darauf stellten die beiden Deutschen der Öffentlichkeit eine weitere Entwicklung vor: ein "Stahlband-Tongerät". Das Band war 3 mm breit und 0,5 mm dick und lief mit der gleichen Geschwindigkeit wie der Draht ihres ersten Geräts, nämlich 200 cm/sec. Die Aufnahmezeit war jedoch mit ungefähr 20 Minuten schon erheblich länger. Dennoch ließ die praktische Brauchbarkeit noch viel zu wünschen übrig. Die Wiedergabe war mangelhaft und wurde insbesondere durch starkes Rauschen gestört.
1901 -1903 Die Telegraphone Company
Poulsen gründete mit Peder O. Pedersen die amerikanische Telegraphone Company. Dazu verbesserte er die magnetische Aufnahmequalität des Telegraphone mit der Entwicklung einer (Gleichstrom) Vormagnetisierung. Die Firma übernahm seine Patente in 1905 und baute Diktiermaschinen und verkaufte etwa 50 von diesen Maschinen an DuPont. Auch hier betrug die Geschwindigkeit des Tonträgers 200 cm/ sec, aber die Aufnahmezeit belief sich bereits auf 30 Minuten. Der Draht war ungefähr 0,25 mm dick.
1903 - das Ediphone
Doch die Qualität und Lautstärke waren auch hier bescheiden bis unbrauchbar und so war die Konkurrenz der Wachsplatten, von Ediphone and Dictaphone übermächtig und auch deutlich billiger. Telegraphone meldete 1918 Konkurs an und stellte den Betrieb 1924 ganz ein. Die Tatsache, daß die Firma Konkurs machte, war natürlich für eine rasche Weiterentwicklung der Magnettontechnik nicht sehr förderlich. Poulson hatte sich bereits 1902 von der magnetischen Aufzeichnung abgewendet und ganz dem Radio verschrieben.
1903 - Siemens und AEG gründen die Telefunken Gesellschaft
Es ist unglaublich. Die späteren erbitterten Wettbewerber hatten 1903 eine der herausragendsten Firmen der weltweiten Nachrichtentechnik gemeinsam gegründet.
Mit dem Namen Telefunken verbindet sich für uns Deutsche untrennbar Radio und Fernsehen gleichermaßen. Um so bestürzender war es für uns, daß sowohl die ehemals große AEG wie auch Telefunken mit einem großen Crash 1985 in die endgültige (aber hausgemachte) Pleite schlidderten.
1906 - Lee De Forest erfindet das Audion
1906 - Robert von Lieben erfindet die Verstärkerröhre.
Robert von Lieben entdeckt die Eigenschaft einer Röhre, Ströme zu steuern und erfindet so die Glühkathoden-Verstärkerröhre. Die Experten streiten heftig, wer jetzt die "Vakuumröhre", wie wir sie kennen, wirklich erfunden hatte. Robert von Lieben beschrieb damals ein "elektronisches Relais" zum Schalten von jeweils größeren Spannungen bzw. Strömen und baute dann auch solche Röhren. Heute sind die wenigen verbliebenen Originale mehrere 10tausend Euro wert
1906 - Das "Mirrorphone"
REUSEABLE recording system should be feasible for recording and evaluating music performances and rehearsals. Such systems were widely available in Europe but not in the US, where the predominant mindset was audio on disk or audio on film.
By the time that Camras was working on the idea, Bell Labs had a short duration closed loop steel tape (aka ribbon) machine they called the "Mirrophone". It was used for prerecorded announcements in the Bell (Telephone-) System. The American version of the Telegraphone (which originally had NO record or playback electronics, just a telephone wired across the head for recording, and earphones wired across the same head for playback) had been a commercial flop for about twenty years, beginning about 1906.
1911/12 - Lee De Forest erfindet die Elektroneneröhre
Lee de Forest erfindet drüben in den USA auch die Verstärkerröhre. Man streitet heute noch, ob von Lieben oder de Forest der Erste mit der Röhre war. Es war erstaunlich lange still um diese phänomenale Entdeckung. Denn erst etwa 1919 hielt diese Erfindung realen Einzug in die Ton- Aufnahmetechnik. Dr. Karl Stille begann sich damit auf dem Gebiet der magnetischen Aufzeichnung (nach dem ersten Weltkrieg) eine Namen zu machen.
1915 - frühe Technik aus Amerika
The irony is, that the US branch of American Telegraphone was accused in WWI (world war 1 = Erster Weltkrieg) of exporting magnetic recording technology to the Germans. And its president Charles Rood got a rough time for that. The devices were apparently used for meteorological purposes and a couple were sold and placed on U-Boats. Wm (war mate = Kriegsteilnehmer) Jennings Bryan made a brief such recording in 1915 at an Exposition in California to help publicize the disc and tape machines. The recording speed was very high, and it took as long to rewind as it did to record. Volume was a problem for many years, necessitating earphones.
Der Hintergrund (die Ironie der Geschichte) war, daß deutsche U-Boote schon 1914 mit Hilfe dieser US Geräte wichtige Kriegsinformationen an eine (deutsche) Station in NewYork sendeten und die Amerikaner das erst recht spät mitbekommen hatten. Auf diesen angeblich für meteorologische Zwecke angeschafften Recordern wurden Schiffspositionen sehr schnell nach Deutschland weiter gegeben. Dazu wurden die (Sende-) Geräte während der drahtlosen Übertragung sehr schnell laufen lassen und die Nachricht konnte nur mit einer ebenfalls sehr schnell laufenden Maschine in Deutschland aufgezeichnet und dann wieder normal langsam abgehört werden. Raus kam das erst, als ein gewisser Charles Apgar, ein Mitarbeiter von American Marconi, diese Sendungen mit seiner Amateur- Radiostation aufgefangen hatte, auf ein Dictaphone Zylinder aufgenommen hatte und so an die US Regierung weitergeben hatte.
Der Marineminister lies dann die deutsche Radiostation in Sayville NY am 8.July 1915 "ausheben", um die Mißnutzung "ihrer" Telegraphone Geräte durch "diese deutschen Spione" zu unterbinden.
1915 - erste Plattenspieler mit Elektromotoren kommen auf den Markt.
Auch das war ein Meilenstein, denn bisher wurde der Plattenspieler mit einem Federwerk ähnlich einer großen Standuhr betrieben, das von Hand mit einer Kurbel aufgezogenwurde und dann die Schellack-Platte meist mit abnehmender Geschwindigkeit abdudelte. Diese elektrischen Plattenspieler ließen dem mangelhaften magnetischen Verfahren vorerst keine Chance.
1917 - Edward C. Wente erfindet das Kondensatormikrofon
1918 - Kurt Stille erfindet den Rücklauf
1920 - ein "disc" Telegraphone aus Chemnitz
Einige Quellen sprechen von einer Firma Max Kohl AG aus Chemnitz, die in 1920 ein auf einer magnetischen Schallplatte (einer ca. 13cm Stahlplatte) basierendes "laut sprechendes" Telegraphone entwickelt hatte (oder haben wollte).
1920/1921 - in Berlin wurde der Tonfilm geboren
Es gab schon ernsthafte Ideen und auch Bedarf für die Aufzeichnung von Ton und Schall aller Art. Nur die Magnet- Tontechnik war noch lange nicht so weit. Auch für die Synchronisation von Bild und Lippen fehlte die Technik. Zu dieser Zeit entwickelten ein Dreierteam aus Joseph Massolle, Hans Vogt (Dr. h.c.) und Joseph Engl (das Triergons) in Berlin Wilmersdorf den sprechenden Licht- Tonfilm. Laut Aufzeichnungen war der erste funktionierende sprechende Film in der Nacht von 26. Februar 1921 im Labor fertig und am Sonntag, dem 17. September 1922, vormittags 11 Uhr wurde ein 2 Stunden Tonfilm im Filmpalast Alhambra in Berlin am Kurfürstendamm, also die Welturaufführung des Triergon-Tonfilmes gezeigt.
1922 - Kurt Stille entwickelt zwei Diktiergeräte
Bereits zu dieser Zeit entwickelte Dr.Curt Stille an zwei Draht- Diktiermaschinen, dem Dailygraph und dem Textophone. Letzteres wurde erst 10 Jahre später 1932 von AT&T vermarktet.
1923/1926 - Die Vormagnetisierung blieb unerkannt
Mehrere US Quellen sprechen weiterhin davon, daß zwischen 1920 und 1923 die beiden amerkanischen Forscher Wendell L.Carlson and Glenn L.Carpenter, die für die US Navy in dem Naval Research Laboratory in Washington gearbeitet hatten, die hochfrequente Wechselstrom- Vormagnetisierung entdeckt hätten. Der sogenannte "AC bias" (es waren damals ca. 10.000 Hz) würde die geradzahligen Verzerrungen und das Rauschen drastisch reduzieren. Sie bekamen das US Patent 1,640,881 für ihre Erfindung des "AC bias" in "magnetic recording" so circa 1927 auf einem dieser 4 Telegraphone Stahldraht Recorder. Es scheint, als ob von Braunmühl und Dr. Weber doch nicht die ersten waren, die 1940 angeblich durch Zufall auf die Hochfrequenz- Vormagnetisierung gestoßen waren.
Dann gab es im gleichen Zeitraum auch noch den Amerikaner Mr. Camras, der auch so etwas ähnliches erfunden hatte. Camras bekam auch ein US- Patent für den "AC bias". Er war zu der Zeit Mitarbeiter der Armour Foundation (heute bekannt als das Illinois Institute Of Technology). Er entdeckte dieses Prinzip während er Testfrequenzen auf einen der frühen Draht-Recorder fütterte, denn er arbeitete, angestachelt von einem Verwandten, in der Hoffnung auf ein wiederverwendbares preiswertes Aufnahme Medium.
Am Ende wurden diese Patente einfach nur vergessen, weil das ganze Prinzip mit dem Stahldraht oder Stahlband nicht funktionierte.
1924 - der elektrodynamische Lautsprecher
Hans Riegger erfindet den elektrodynamischen Lautsprecher. Im Gegensatz zum permanent dynamischen Lautsprecher mit einem richtigen Dauer-Magneten wurde hier der Magnetismus elektrisch erzeugt.
1928 - Das (Papier-) Ton-Band
Erst, als etwa 1911 der erste Röhrenverstärker entwickelt wurde, ging es mit einer vernünftigen Tonwiedergabe überhaupt geringfügig besser, vor allem mit der Wiedergabelautstärke über Lautsprecher. Doch das mit dem Stahldraht war immer noch alles sehr bescheiden. Und so hatte der junge Ingenieur Fritz Pfleumer (ein Österreicher in Dresden!!) im Jahr 1927 die zündende Idee. Angeblich in einem Pariser Café kam ihm der Gedanke, daß man wie bei dem (damaligen) Zigaretten- Mundstück anstelle von Bronze-Puder einfach eine Schicht magnetisches Eisen-Pulver auf das Papier aufkleben könnte.
In 1928 hatte er seine geniale Erfindung, ein mit Eisenpulver beschichtetes ca. 16mm schmales hauchdünnes Papierband (die Breite kam von der 16mm Filmtechnik) vorführbereit und bekam am 1.Jan 1928 sein Patent dafür. Vorher hatte er diverses "Unterlagenmaterial" als Trägermaterial erforscht. Dieser Vorläufer eines Tonbandgerätes auf der Basis von Teilen von 16mm Filmsichtgeräten regte viele Andere zum Denken an, denn auch diese (Papier-) Lösung war wegen der geringen Reißfestigkeit und der Empfindlichkeit gegen Feuchtigkeit einfach unpraktikabel. Pfleumer verkaufte dieses Patent dann an die AEG. Und angeblich bekam Pfleumer das Papierband-Patent 1936 vom obersten Deutschen Reichs-Gericht wieder aberkannt, da die Technik in Poulsens Patenten bereits enthalten wäre.
1928 - Stille baut die Stahldrahtmaschine "Echophone"
Während Fritz Pfleumer schon mit dem 16mm Papierband experimentierte, gründete Dr. Kurt Stille mit Karl Bauer in Deutschland die Firma Echophone und produzierte die Stahldrahtmaschine "Echophone" mit 0,2mm Stahldraht und nur noch 120cm/sec. Mit im Boot waren noch die Firma Ferdinand Schuchard AG mit ihrem talentierten Ingenieur Dr. Semi Begun, den wir später erst bei der AEG in Berlin und dann bei der Firma Brush in den USA wiederfinden.
1928 - Der erste Kassettenrecorder, der "Dailygraph"
Inzwischen hatte Karl Bauer nach Abschluß eines Lizenzvertrages mit der Firma Echophone von Dr. Stille in Deutschland eine Diktiermaschine auf den Markt gebracht. Dieser „Dailygraph" war die erste magnetische Stahlband Diktiermaschine, die in Serie gefertigt wurde. Viele Fernsprechgesellschaften schafften sie zur Aufzeichnung von Telephongesprächen an.
Originaltext: "Die Firma Dr. Stille und Karl Bauer machten mit der Ferdinand Schuchard AG (und Semi Begun) einen Vertrag, um den "Dailygraph" herzustellen, den ersten magnetischen Kassettenrecorder mit Verstärker und Entzerrer.
1932 übernahm die Deutsche Reichspost Bauers Rechte, um sie schon bald an C. Lorenz weiter zu verkaufen, der das Gerät gewissen Änderungen unterzog und damit die Voraussetzungen für die Massenfertigung verbesserte. Daher kommt auch der Lorenz Stahldrahtrecoder, der dem von Stille und Marconi zum verwechseln ähnlich sieht.
Lorenz führte die Handelsbezeichnung „Textophon" ein. Einen weiteren Schritt unternahm er mit der Herstellung eines tragbaren Tonaufnahmegerätes, der „Stahltonmaschine", die mit Stahlband betrieben wurde. 1935 ging der deutsche Rundfunk dazu über, diese Maschine in großem Umfang zu verwenden, vor allem für Reportagen. Die Bandbreite betrug wiederum 3 mm und die Aufnahmezeit 30 Minuten. Der Preis belief sich auf nur etwa ein Drittel des Marconi-Stille Gerätes.
1928 - die Frequenzmodulation wird erfunden
Edwin Howard Armstrong erfindet eine Methode, wie man einer Frequenz andere Frequenzen aufmodulieren kann, die inzwischen allgegenwärtige Frequenzmodulation, auch FM oder bei uns hier UKW genannt.
1929 - Ritcheouluff´s Idee der Aufnahme von Bildern
Der früheste Vorschlag, Bilder mit Hilfe magnetischer Aufnahmetechnik zu speichern, geht in die späten 20ziger zurück. Das britsche Patent Office hat eines davon auf Boris Ritcheouluff in London erteilt. Ritcheouluff beschrieb mit erstaunlicher Genauigkeit einen Bild-Recorder, der auf der dänischen Poulsen Maschine basierte.
1930 - Die Stahlband-Maschine "Blattnerphone"
Dr. Stille war aber doch nicht so sonderlich erfolgreich und verkaufte die Rechte zur Herstellung von magnetischen Aufnahmegeräten auch an den Engländer Mr. Blattner. Dieser beabsichtigte, die Magnettontechnik beim Tonfilm anzuwenden, der sich damals gerade seiner ersten Erfolge rühmen konnte. Sein Gerät, das in mancherlei Hinsicht dem von Stille entworfenen glich, erhielt die Bezeichnung "Blattnerphone". Allerdings diente als Tonträger nicht Draht, sondern ein schmales Stahlband. Das Aufwickeln von rundem Stahldraht war nicht nur damals sehr schwierig.
In Großbritannien wurden einige Filme auf diesem Wege vertont, aber der kommerzielle Erfolg war mäßig, und deshalb übertrug Blattner seine Interessen auf die Marconi Wireless Telegraph Co., Ltd., in London. Diese Gesellschaft nahm damit die Entwicklung von Stahlband-Maschinen auf, die jahrelang von der Rundfunkgesellschaft BBC benutzt wurden.
Blattner verkaufte seine Rechte dann wiederum an die englische Marconi Company, die eine Verwendung bei der BBC im Auge hatte. Die BBC brauchte einen Recorder für ihren Kurzwellen Empire Radioservice, der das gleiche Programm zeitversetzt im ganzen Empire ausstrahlen konnte. Dazu wurde der DC Motor gegen einen Synchronmotor ausgetauscht und das Stahlband auf 3mm breite reduziert und mit 150cm/sec betrieben. Für eine Aufnahmezeit von 30 Minuten waren Spulen mit 2700 m Band erforderlich.
Marconi zeigte solch ein Ungetüm einer Stahlband-Maschine, die mit 1,5 Meter / Sekunde aufnimmt. Hier ist ein Bild davon. Die Spulen mit 2700m langem und 3mm breitem Stahlband wogen locker über 35 Kilo das Stück und Sie müssen sich vorstellen, wenn die sich mal drehten, was sich dort für eine bewegte Masse zusammenbraute. Und dieses Stahband drehte schnell. Auch mussten diese Spulen von zwei Mann gehoben werden. Das Stahlband war das Problemkind, sodaß in spätere Generationen des Blattnerphones sogar ein kleines Punktschweissgerät eingebaut wurde, um das Band sofort wieder zu "flicken".
1932 - Die Textophone Diktiermaschine
1932 kaufte die AT&T Stille´s Firma und verschmolz diese zur C.Lorenz AG. Semi Begun entwickelte bis 1933 das relativ ausgereifte "Textophone" Magnetton-Diktiergerät und AT&T verkaufte davon tausende an die NS- Regierung. Außerdem entwickelte Begun 1935 vor seiner Emigration auch noch die "Stahltone" Bandmaschine für den mobilen Rundfunk.
1932 - Der Luftspalt Magnet-Kopf von E.Schüller
Irgendwie hatten die meisten deutschen Ingenieure früh herausgefunden, daß mit dem Stahldraht und dem Stahlband nichts zu gewinnen war. Und so gab es da einen Geheimrat Hermann Bücher (Vorstand bei der AEG), der am 28.Nov. 1932 einen jungen Dipl. Ing. Eduard Schüller damit beauftragte, für das Papierband von Pfleumer ein richtiges Aufnahme- und Abspiel- Gerät zu entwickeln. Dr. Volk leitete angeblich schon das AEG Team.
Eduard Schüller fand heraus, daß man überhaupt erst mit einem Ring(magnet)Kopf mit Luftspalt ein brauchbares Magnetfeld aufbauen konnte, um damit Töne auf ein Magnetband vernünftig aufnehmen zu können. Der Ringkopf konzentriert die Kraft des gesamten Magnetfeldes in und um den kleinen Luftspalt, an dem das Magnetband gleichmäßig vorbei läuft.
Und das war der eigentliche Durchbruch. Dafür bekam er (oder die AEG) ein Patent. Die Erläuterung des Ringspalt Grund-Prinzipes, auf dem noch heute alle Magnetbandgeräte dieser Welt basieren, ist hier auf anderen Seiten erklärt. Mikroskopische Bilder von einem Magnetspalt haben wir auch.
1932 - Theorie der Schrägspuraufzeichnung
Bereits 1932 erstellte Dr. Fritz Schroeter, Professor an der Technischen Hochschule Berlin und einer der Direktoren der Telefunken, eine technische Publikation. Darin wurde auf einer Reihe von Schaubildern die Bildübertragung vorgeschlagen. In dem Buch waren schon sehr früh Illustrationen einer Schrägspuraufzeichnung (helical scanning formats) enthalten, die der späteren Entwicklung nach dem Kriege sehr ähnlich waren.
1932 - erste prominente Rede auf magnetischem Träger
König Georg der V. hält seine Weihnachtsansprache, die auf einen Marconi Stahlbandrecorder aufgenommen wurde. Ca. 1933 bringt die deutsche C. Lorenz Gesellschaft das "Texophon" in Massenproduktion heraus. Um 1935 stellt die Lorenz Gesellschaft die "Stahltonmaschine" für Rundfunkreportagen her.
1933 - ein besonderes Jahr bei den AEGlern
Wir kennen das Jahr 1933 fast nur noch durch die völlige Machtübernahme der Nazis und ihres Führers. Für die Tonbandleute der AEG kam ein ganz wichtiger Kontakt hinzu. Der AEG Vorstand Geheimrat Bücher interessierte und begeisterte den IG Farben Vorstand Geheimrat Bosch dafür, bei der BASF ein Chemiker-Team an der Entwicklung eines besseren Tonband-"papieres" forschen zu lassen.
Dazu hatte Dr. Volk angeblich damals schon die Breite des Pfleumerschen Papierbandes von 16mm (oder 10mm?) auf ausreichende 6,5mm reduziert.
Ein amerikanischer Profesor bezeichnete 1995 das Team aus Bücher, Pfleumer und Schüller als das "Dream Team" mit dem größten Forschungs- und Entwicklungs- Triumpf des gesamten Jahrhunderts. Gelobt wurde auch Friedrich Matthias von den IG Farben für die Entwicklung des "two-layer magnetic tape".
1933 - Die BASF macht Magnetband Experimente
Hier gehen die Meinungen und Erinnerungen weit auseinander. Eine Quelle berichtet von ersten Experimenten der BASF mit beschichtetem Papierband nach dem Patent von Pfleumer bereits ab November 1932. Geheimrat Bosch wurde nachweislich aber erst 1933 von Geheimrat Bücher von der AEG angesprochen.
Ab Juni 1934 sollen da bereits beschichtete Acetyl Cellulose Kunststoffbänder (von bescheidenster Qualität) heraus gekommen sein, mit denen die AEG dann experimentiert haben soll. Andere Quellen berichten von beschichtetem dickeren Papier für die AEG.
Die alten AEGler berichten im Thiele Interview von 1981, daß sie damals 1934 immer noch selbst eigene "Tonbänder" beschichtet hatten, weil das (oder die) BASF Band/Bänder so bescheiden war.
1934 - Marconi will Stahlbandrecorder "vermarkten"
1934 gab Marconi bekannt, daß das Marconi-Stille Tonaufnahme- und Wiedergabe-Gerät zum Preis von £ 1250 lieferbar sei. Die Geschwindigkeit des 3 mm breiten Stahlbands betrug 150 cm/sec, und der Frequenzbereich der Maschine erstreckte sich von 100 bis 5 000 Hz mit einer maximalen Abweichung von ± 2 dB. Für eine Aufnahmezeit von 30 Minuten waren Spulen mit 2700 m Band erforderlich.
BBC, Marconi und Stille verbesserten diesen Drahtrecorder dann 1935 auf einen sagenhaften Rauschabstand von bis zu 45 dB.
1934 - erste Versuchsbänder der BASF
Ab Mitte 1934 wurden (so sagt eine Quelle) die ersten BASF Versuchs- Tonbänder an die AEG nach Berlin geliefert.
Die Standard Bandgeschwindigkeit wurde auf 77cm/s (30inch/s) festgelegt und war nach dem Krieg auch die Grundlage für die dann weltweit genormten 30, 15, 7,5, 3,75 und 1,875 ips.
1934 - AEG entwickelt ein Magnetband-Laufwerk
Die mit der Entwicklung des Bandgerätes betrauten Ingenieure der AEG hatten schnell erkannt, daß das Laufwerk zur Bewegung des Papierbandes nur mit ausgefeilter Technik zu beherrschen war. Die Probleme waren vorerst nicht die Magnetköpfe oder der Verstärker, sondern der Antriebsmechanismus.
Die erste Vorstellung eines AEG Koffer-Magnetophones (daher später immer das "K") sollte eigentlich zur Funkausstellung im August 1934 stattfinden. Aber das Gerät (wir nennen es mal "K 0") zerriß die Bänder sogar noch im Labor (denn es hatte nur einen Motor). Die Vorstellung wurde nur einen Tag vor der Eröffnung vom AEG Vertriebschef höchst persönlich abgesagt, eine sehr herbe Enttäuschung für die Entwickler.
Daraufhin verlegte die AEG Führung Anfang 1935 die gesamte Entwicklung und Produktion in die Fabrik für Kino-Apparate nach Berlin. Die dortigen Ingenieure kannten sich mit der Konstruktion von Filmvorführgeräten aus. Sie hatten bereits ähnliche Probleme beim Transport von Zelluloid-Film gelöst.
Unter großem Zeitdruck entwickelten sie nach einer Idee von Dr. Theo Volk innerhalb kürzester Zeit den so genannten "Volkschen" Dreimotoren Antrieb. Er bestand aus dem speziellen Antriebsmotor für das Band und zwei Wickelmotoren (für jede Spule einen). So gelang es endlich, das Papierband schonend zu transportieren und so ein Reißen weitgehend zu vermeiden.
(Es gibt davon scheinbar keine Fotos mehr, das erste (und einzige) 1934er Muster ist angeblich zur 1935er Funkausstellung mitgenommen worden und dort mit verbrannt.)
Und so wurde ein Jahr später allen anderen mit einer absoluten Weltneuheit die Schau gestohlen.
Die AEG war da mit dem K1.
1935 - Berliner Funkausstellung - das AEG K1
Das AEG Magnetophon K1 war nach dem Flop von 1934 quasi eine Neuentwicklung und wurde auf der Berliner Funkausstellung im August 1935 erstmals der überraschten Weltöffentlichkeit vorgestellt, damals wirklich noch mit diesem beschichteten 6,5mm Papierband und sehr bescheidener Ton- und Klangqualität. Das K1 hatte nämlich noch eine Gleichstrom Vormagnetisierung (DC-bias). Der Rauschabstand betrug nur etwa 30 bis 35db, da konnte man wohlwollend noch von erträglicher Sprachqualiät sprechen.
Und dennoch, das mit dem (Papier-) Band anstelle des Drahtes war der Durchbruch bei der Tonaufzeichnung. Das AEG K1 war weltweit absolut einzigartig, bestand es doch (nur) aus drei Koffern (dem Laufwerk, dem Verstärker- und dem Lautsprecher-Koffer) und war damit einmalig und ernsthaft transportabel.
Weiterhin hatte dieses Bandgerät einen richtigen 3 Motoren Antrieb (nach einer Idee des Teamleiters bei AEG Dr. Theo Volk) sowie einen schnellen Rücklauf und Drucktasten- steuerung. Eine 30cm Spule (ein Bandwickel !) mit 6,5mm breiten Band konnte mit 100cm/s Geschwindigkeit bis zu 20 Minuten aufnehmen und wog nur ca. 1 Kilo. (Zum Vergleich: die Stahlband-Spule wog ca. 35 Kilo.) Mit dem Papier Band waren Frequenzen bis 6000 Hz möglich. Es gab die K (Koffer) Serie und die T (Truhe) Serie, die war sogar in edlem Holz verpackt. Rechts ein ganz seltenes Foto.
Die technischen Daten des Ur-Tonbandgerätes waren :
- Bandgeschwindigkeit 100cm/sec
- Frequenzgang nahezu geradlinig von 50 bis 5000 Hz
- Rauschpegel -30 bis -35 dB
- Vormagnetisierung/Löschen mit Gleichstrom
Die komplette erzählte Geschichte des Magnetophons samt historischer Tondokumente erhalten Sie hier.
1935 - 20.Aug. - Und dann hat es gebrannt, alles.
Der Andrang in der Halle 4 bei AEG war ungeheuer, die Publicity auch, die Besucher waren begeistert - bis früh Morgens am 20.August 1935, dem dritten Messe-Tag, die gesamten hölzernen Hallen abbrannten und auch die vier oder fünf oder mehr Mustergeräte zerstörten. Aber man hatte glücklicher Weise noch genügend Teile für zwei neue Geräte in Reserve und die Messe wurde damals um 8 Tage verlängert. Der Erfolg ging weiter.
Viele viele Seiten zu der gesamten AEG internen Historie (das Thiele Interview) kommen hier.
1935 bis 38 - Endlich, das richtige Tonband . . . .
Geheimrat Prof. Dr. Carl Bosch von den IG Farben in Ludwigshafen machte jetzt anscheinend etwas mehr Druck. Er glaubte auch an diese neue umwerfende Technik und machte sich verstärkt für neue Kunststoffbänder stark, denn das mit dem entwickelten Papierband war ganz offensichtlich eines der Probleme.
Ab etwa 1934 bis 38 entwickelte bei der BASF ein Dr. Friedrich Matthias das erste Kunststoff- Tonband mit einer Eisen- Pulver- Beschichtung (Carbonyl-Eisen) auf einem Acetyl-Cellulose-Träger, also im Prinzip auf einer Art dünnstem Film ähnlichen Materials. (Acetyl ist ein Konstruckt aus Baumwolle und Papier). Doch das Eisenpulver auf dem Eisen-Band (hielt sich nicht an den Vertrag und) rostete nach dem Beschichten einfach weiter und veränderte somit seine Eigenschaften.
Die IG Farben Chemiker in Ludwigshafen waren es, die dann auf die Idee mit dem Eisenoxyd (einem schon vorher verrostetem Material) kamen und dann das erste moderne Acetyl-Cellulose Eisenoxyd- Band entwickelten und auch produzierten. Das Type C Band war zu dieser Zeit 6,5mm breit und dunkelrotbraun bis schwarz. Und es wurde kontinuierlich weiter entwickelt.
So wurde das Eisenoxyd Pulver (Magnetitbeschichtung) später nicht mehr als Beschichtung auf das Trägermaterial aufgebracht, sondern homogen in das Basis-Material eingebunden. Später wurde auf gamma ferric oxide umgestellt und dieses wurde in einer eigenen Elmulsion auf das Trägermaterial aufgebracht. Das war dann das lange Zeit gebräuchliche Zweischichtenband. Nach der (wirklich zufälligen) Explosion im Ludwigshafener Werk wurde dort im Juli 1943 eine neue Tonband-Fabrik gebaut und auf PVC (polyvinyl chloride plastic base) als Trägerband (plus Beschichtung) umgestellt. Das IG Farben (BASF) Type-L Band war geboren und wurde von nun an bis Kriegsende und darüber hinaus produziert.
Von dieser ingeniösen Meisterleistung (vastly impressive superior tape) schwärmen manche älteren Amerikaner heute noch. Und von da an ging es nur noch bergauf (jedenfalls mit dem Tonband). Auf der andere Seite glauben bzw. behaupten manche Amerikaner heute noch, die Deutschen hätten bis 1950 noch mit Papierband gearbeitet und das Kunststoffband hätten natürlich die Amerikaner erfunden. Vielleicht wollten sie aber nur davon ablenken, daß sie bis 1950 überwiegend noch mit Stahdraht aufgenommen hatten (obwohl es das Ampex 200A Bandgerät schon gab).
1936 - Das AEG Magnetophon K2
Das AEG K1 Laufwerk wurde zum AEG K2 verbessert, denn man konnte endlich auf ein Kunststoff Tonband der IG Farben mit wesentlich verbesserter Reißfestigkeit zurück greifen. Die Motoren wurden gründlich erneuert, die Bandzugtechnik auch und alles wurde jetzt auf das neue Kunststoffband abgestimmt. Das mit dem Papier war zuende. Auch dazu mehr auf den AEG Seiten.
Ebenfalls 1936 ein weiterer Welterfolg wurde die deutsche Erfindung der Innensechkant Schraube samt Schlüssel von Bauer und Schaurte aus Neuss, die bis heute in allen DLT Laufwerken verwendet wird.
1936 - Mozarts Symphony Nr.39
Eine Sternstunde war dieser 19. November 1936 - Der Welt erste Tonband Aufnahme eines Orchesters, das war der 3.Akt von Mozarts Symphonie Nr.39 mit Sir Thomas Beecham und dem London Philharmonic Orchester in der BASF eigenen Konzerthalle (Feierabendhaus) in Ludwigshafen (also nicht in Berlin). Und natürlich auf den neuen BASF Acetyl-Cellulose Eisen-Oxyd Bändern vom Typ C.
Davon gibt (gab) es in den USA Schallplatten, die besagen, so schlecht war das damals gar nicht. Es mag sein, daß diese Aufnahmen später entrauscht wurden. Eine andere Chronic sagt, daß dort schon die neuen gerade entwickelten Fe3O4 Eisen-Oxid Bänder und nicht mehr (wie manche Amis schreiben) die alten Carbon-Eisen Bänder benutzt wurden. Die neuen Bänder hatten auf der AEG K2 jetzt schon 37db Dynamik, die alten Bänder nur die bekannten mäßigen 30db. Also nur 7 Dezibel Unterschied, das war damals ein gigantischer Sprung nach vorn. Angeblich ist dieses historische Band heute noch gut erhalten.
1936 -Philips bringt Philips-Miller Foliensystem heraus
In direkter Konkurrenz zum deutschen AEG Magentophon bringt Philips ein mechanisch optisches Schallaufzeichnungsverfahren basierend auf einem Zelluloidstreifen raus, das von der Qualität deutlich besser ist als das AEG K1 und K2. Der technische Aufwand ist damals gewaltig gewesen und das Material war sehr leicht brennbar.
Das Gerät (die Geräte) wog mehrere hundert Kilo und war auch nur für den professionellen Gebrauch zu benutzen.
1937 - Bell Labs hat auch einen Stahlband Recoder
Bei den Bell Labs hatte Clarence Hickman einen Stahlband Recoder entwickelt, nur, Bell wollte ihn nicht ausserhalb der Firma vermarkten. Wir vermuten, die wußten, warum.
1938 - Januar - Die RRG steigt auf Magnetband um.
Beim deutschen Rundfunk (der Reichs Rundfunk Gesellschaft) wird überall das Magnettonverfahren eingeführt, vermutlich schon die weiter entwickelte AEG K3 (die AEG K4 war gerade in der Entwicklung). Im Laufe des Krieges ab 1939 wird die gesamte Programmtechnik fast nur noch von Berlin aus gesteuert.
1938 - Das AEG K2 in USA
Die AEG war damals schon oder noch mit dem US Multi General Electric eng verbunden. Darum wurde auch 1938 ein AEG Magnetophon K2 zum Ausprobieren zu den G.E. Labs in Schnectady, NewYork rüber gebracht und vorgeführt. Doch die Tonqualität war (wegen des hohen Rauschens, der hohen Verzerrungen und des niedrigen Frequenzganges) der besseren Qualität von beschreibbaren Wachs-Platten oder dem Tonfilm deutlich unterlegen und die Amerikaner entschieden, daß "so ein Magnetophon" für den professionellen Einsatz ungeeignet sei. - Was für ein Fehler.
1939 - Brush entwickelt noch eine Stahlbandmaschine
In den USA gab es noch eine Firma in Cleveland Ohio, die Firma Brush Development Company, die auch noch eine Stahlbandmaschine entwickelte, den Soundmirror.
Der emigrierte Deutsche Semi Begun leitete die Entwicklung, denn er hatte bereits Erfahrungen gesammelt, nur hatte er den Kontakt nach Deutschland nicht mehr. So hatte er auch das mit dem Acetyl Cellulose Band nicht mit bekommen und die Amerkaner waren damals viel zu eingebildet oder patriotisch angehaucht, um das wahr zunehmen, was sich hier in Deutschland mit den AEG K2 Bandgeräten tat.
Marvin Camras entwickelte einen verbesserten Aufnahme-Kopf für Stahldraht in 1939 an dem Armour Research Foundation Institut in Chicago, und er baute auch die wiederentdeckte AC Vormagnetisierung in 1940 in dieses Model 50 eines kommerziellen Draht Recoders ein, der 1940 auf dem Markt kam. Diese Stahlband-Maschine wurde später im amerkanischen Militär benutzt.
1939 - Der zweite Weltkrieg
Das AEG Magnetophon K2 wurde dann mitsamt den Acetyl- Cellulose Eisen-Oxyd Bändern bis Kriegsausbruch 1939 auf der ganzen Welt im Bereich der Rundfunksender gezeigt, aber wegen der unzureichenden Qualität nicht für voll genommen.
Andere Quellen behaupten, es sei geheim gehalten worden. Dies stimmt definitiv nicht. Es gibt sogar einen japanischen Pressebericht über den deutschen Ton auf einem "Film-Band ohne Bilder".
1940 - Die Vormagnetisierung - die2te
Die AEG Magnetophon Bandmaschinen wurden zwar mechanisch weiter verbessert, aber es änderte sich bis dato noch nichts Grundlegendes. Mehrere Amerikaner sogar hatten die bereits 1928 entdeckte AC- (Wechselstrom-) Vormagnetisierung des magnetischen Trägers und deren Funktion und Wert überhaupt nicht verstanden (kapiert), ein Japaner hatte es sich dann 1938 auch noch mal patentieren lassen und da es scheinbar keiner brauchen konnte, nutzte es auch keiner.
Bis zwei weitere deutsche Ingenieure beim Arbeiten an einem AEG Magnetophone K3 einen Fehler suchten, ihn fanden und lange genug nachdachten und es Mitte 1940 dann raus hatten, wie es gehen könnte.
Die komplette erzählte Geschichte des Magnetophons samt historischer Tondokumente erhalten Sie hier.
Alte Unterlagen sagen, irgend ein Verstärkerteil des Aufnahmeteiles hatte ein zufälliges, eigentlich fehlerhaftes Hochfrequenz- Schwingen in der Schaltung, damals eigentlich absolut unerwünscht. So etwas kam bei vielen Elektronik- Hobby- Bausätzen selbst in den 60er Jahren noch vor. Das brachte aber eine ganz erstaunliche, völlig überraschende dramatische Qualitätsverbesserung mit sich. Dr. Hans-Joachim von Braunmühl (1900-1980) und Dr. Walter Weber (1907-1944) überlagerten das Tonsignal des Aufnahmekopfes mit einer sehr hohen Frequenz und hatten damit erstmals richtiges "Hifi", eine bis dahin unerreichte Qualität, die von einer Rundfunk Live-Aufnahme bzw. Live-Sendung (das war damals alles noch Mittelwelle) nicht zu unterscheiden war.
Damals im Juli 1940 waren ca. 55db bis nahezu 58db Rauschabstand etwa Faktor 10 besser gegenüber der alten Technik, dann Frequenzen bis oberhalb von 10 Kilohertz und ein sehr niedriger Klirrfaktor (weniger als 3%), das war der absolute Durchbruch. Üblich waren bis dato etwa 37 db. (Die Meßgröße "db" ist logarithmisch und 3db sind jeweils eine Verdoppelung.) Dieser neue Wert wurde bis 1955 fast nicht übertroffen. Auch die Hardware der Maschinen machten dazu weitere dramatische Fortschritte und bald gab es das Magnetophon K4 (ab 1942). Laut anderen Quellen wurden auch von den vorhandenen K3 Maschinen etwa 100 bis Kriegsende mit der HF-Vormagnetisierung modifiziert. Die K4 hatte es immer drinnen.
Die beiden Mitarbeiter der staatlichen Reichsrundfunkgesellschaft (RRG) saßen somit eigentlich in einem "Konkurenzunternehmen" zur AEG, bekamen dafür am 28.Juli 1940 ein Patent und die AEG mußte dieses Patent von Dr. Weber kaufen.
1940 - 12 Stunden Musik am Stück - eine Legende
Mit dem AEG Magnetophon K4 wurde so ab 1940/41 in den Reichs- Rundfunk- Anstalten in Deutschland wie auch in den besetzten Ländern die NS-Propaganda mit qualitativ hochwertiger Hifi Musik gesendet und zwar fast rund um die Uhr. Das ging zwar alles nur über Mittelwelle, aber die Qualität war erstaunlich gut. In Deutschland waren die Rundfunk-Studios zu diesem Zeitpunkt landesweit mit "schnellen" Übertragungs- leitungen mit bis zu 10 KiloHertz vernetzt. Die Amerikaner waren dagegen schon mit 5 KiloHertz zufrieden.
Zumindest die Engländer hatten es recht schnell kapiert, daß ein Rundfunk-Orchester nicht von 7 Uhr Abends bis Nachts um 3 Uhr an einem Stück spielen konnte, selbst bei den Deutschen nicht. Alleine die Amis trauten dem Hitler zu, wenn der mit dem Finger schnippse, würden deutsche Orchester auch mal 12 Stunden am Stück Klassik spielen (sagt die Legende).
1941 - auch Agfa produziert jetzt Tonbänder
Bereits 1941 begann auch Agfa im Zweigwerk Agfa Wolfen der IG-Farben mit der Produktion von modernem Kunststoff-Tonbandmaterial auf Acetat Basis.
1941 - Experimenteller UKW Rundfunk vom Band
Die ersten Versuche mit hochqualitativem UKW (FM) Rundfunk starteten in Berlin, basierend auf der "Hifi-" Qualität des AEG K4.
1941 - noch eine Legende - London - NBBS
Und noch ein Stück Legende :
London , Sonntag der 25.2.1940. Die Abend-Dämmerung kam früh an diesem Sonntag zu dieser Jahreszeit, und an diesem speziellen Sonntag umschlang ein Mix von Dunst und Rauch von tausenden von Brandstellen jeden, der ungücklicherweise draußen sein mußte. Drinnen relaxten hunderttausende von Londonern mit Ihrer Sonntagszeitung und dem Radio.
Der zweite Weltkrieg war nun schon ein halbes Jahr ein Stück des Lebens, seitdem die ersten Bomben fielen. Es war die Zeit des Rundfunk Krieges, als Hitler immer noch glaubte, eine Allianz mit Rechten Gruppen in England formen zu können und damit den Krieg zu beenden.
Plötzlich, die Hörer, die nicht gerade ganz genau auf den Sender mit "God Save the King." eingestellt hatten, vernahmen eine Stimme in "upper-class" Englisch, der das "New British Broadcasting System" ankündigte. Es folgte ein ganzer Abend mit populärer und konzertanter Musik, unterbrochen von "Nachrichten" mit der makabren Message, daß England und Deutschland in diesen "Wirren der Zeit" doch gemeinsame Interessen und Ziele verfolgten.
Das "New British Broadcasting System" wäre sowieso gekommen, aber was es jetzt schon möglich machte, war die Tonaufnahme auf Magnetband. Nur, was das NBBS so bemerkenswert machte, das war der gelungene Durchbruch bei der Qualität der Aufnahmetechnik durch zwei Ingenieure der Reichs- Rundfunk- Gesellschaft "Deutschland Radio".
Soweit aus dem Memoaren von Jack Mullin.
Das NBBS, sie benutzen beschlagnahmte Sender in Luxembourg, Belgien und Skandinavien, basierte auf dem virtuellen Programm vom Band. Erst so war es möglich, das gleiche Konzert in halb Europa zur gleichen Stunde auszustrahlen. Die englischen Zuhörer wunderten sich sehr, wie denn so etwas möglich war (und die Amerkaner hatten gar keine Ahnung, daß das mit einem Tonband- Recorder wirklich funktionierte).
1941 - Juni - Berlin, das AEG K4 im UFA Palast am Zoo
Die AEG veranstaltete am 10. Juni 1941 im UFA-Palast am Zoo in Berlin die erste offizielle Vorführung des 1938 mechanisch neu entwickelten und 1940 durch die HF-Vormagnetisierung dramatisch verbesserten AEG Magnetophon K4. Die AEG hatte zuvor das Patent von Dr. Braunmühl gekauft. Der UFA-Palast war eines der imposantesten, größten und akustisch mordernsten Lichtspieltheater in Deutschland (und nicht nur in Deutschland), das auch wegen seiner hervorragenden elektro- akustischen Einrichtungen für diesen Zweck besonders geeignet erschien.
Dieses AEG K4 soll sogar 60 Dezibel Rauschabstand gehabt haben und "getunte" Köpfe mit einem optimierten Frequenzgang, um die Zuhörer zu begeistern.
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1942 - "BASF Records" macht richtige Stereo Aufnahmen
Verschiedene Quellen belegen, daß bereits in den ganz frühen 40ern von dem ganz kleinen Label "BASF Records" Stereo Aufnahmen von klassischer Musik gemacht wurden. Der Name Helmut Krüger wurde in diesem Zusammenhang genannt. Die herausragende technische Qualität (mit der modifizierten AEG K4) der damaligen Magnetbandaufnahmen wurde sehr beachtet.
1943 - Das IG Farben (BASF) L-Band
In Ludwigshafen flog im Juli 1943 die Tonband Fabrik in die Luft (es soll wirklich keine Sabotage sondern ein zufälliger Unfall gewesen sein) und die Produktion wurde daraufhin an Agfa Wolfen (auch IG Farben) ausgelagert. Dann wurde eine neue Fabrik gebaut und auf das neue PVC (Poly Vinyl Chlorid) Trägermaterial samt "gamma ferric oxide" umgestellt. Man nannte es das Type L-Band.
Jetzt wurden mit der AEG K4 und L-Band bereits sagenhafte 60 Dezibel mit 50 bis über 10.000 Hertz erreicht. Auch wurde die Aussteuerbarkeit um 10db verbessert. Das bedeutete noch weniger Klirrfaktor. Das war wiederum einzigartig.
1943 - AEG Tonbandgerät mit Kassette
Laut einer Chronik hatte die AEG bereits 1943 ein Tonbandgerät mit einer 45 cm Kassette für die Reichspost gebaut. Das Gerät sollte in Verstärkergestelle eingebaut werden. Das Gerät wurde wegen des Krieges nie in Serie gebaut.
1943 - ein Gerücht verdichtet sich nachträglich
Aus mehreren Quellen (Zeitzeugen) hören wir immer wieder von einem Gerücht von einem Bildaufnahme-Gerät von 1943. Es besagt, daß die AEG Mannen im (Berliner ?) Labor einen Test mit einem schnell laufenden quer zum Band stehenden rotierenden Tonkopf gebaut hatten und damit Fernsehbilder leidlich aufzeichnen konnten. Wo die Unterlagen geblieben sind, ist zur Zeit nicht herauszufinden.
1943 - erster Film mit Magnetton
Karl Schwarz von der Berliner Firma Klangfilm entwickelte mit Agfa einen neuen Farbfilm mit einer Magnetspur, auf die bei der Aufnahme der (Synchron-) Ton mit aufgenommen werden konnte.
1943 - AEG K7 - ein Prototyp in Stereo
Mehrere Quellen beschreiben einen Stereo Prototypen AEG K7, bei dem bereits im Jahr 1943 Stereo Aufnahmen in Halbspurtechnik gemacht worden sein sollen. Detailierte Informationen sind nur wenige zu finden. Einige Quellen beschreiben, daß der Recorder erstmals Synchronmotoren gehabt hatte, um die Tonhöhenschwankungen zu eleminieren. Und daß man ursprünglich mit der (zeit-) gleichen Aufnahme parallel auf zwei getrennte (Halbspur-) Kanäle und der späteren additiven Wiedergabe sogenannte Aussetzer vermeiden und damit die Qualität insgesamt verbessern wollte. Es hatte aber mit dem "additiven Mischen" der beiden Kanäle so nicht funktioniert, denn die Lautstärke Schwankungen (Überhöhungen und Auslöschungen) waren nicht in den Griff zu bekommen.
Andere Quellen sprechen glaubhaft von Aufnahmen der RRG von dem letzten Satz der 8. Sinfonie von Anton Bruckner dirigiert von dem jungen Herbert von Karajan. Die Richard Strauss Aufnahmen seien in der UDSSR verschollen.
Und es gibt sie doch, die Aufnahmen aus 1944 in erstaunlich guter Qualität. Das Beethoven Klavierkonzert No.5 Op.73 von Walter Gieseking und dem Berliner Reichssender Orchester liegt uns bereits vor.
1944 - September - Brush und 3M und das US Ton-Klebeband
Wie auch immer, Deutschland war nicht das einzige Land, in dem Experimente mit Kunststoff- Magnetband gemacht wurden. Im September 1944, also 9 Jahre nach der Vorstellung des ersten Bandgerätes in Berlin, erhielt die Minnesota Mining & Manufacturing Company in St. Paul (heutzutage bekannt unter 3M) von der Brush Development Company of Cleveland, Ohio eine reichlich mysteriöse "Anfrage" nach einem magnetisch beschichteten 1/4" Band.
Im Nachhinein schreibt man, die Brush Company aus Ohio sei interessiert gewesen an "so einem Scotch Klebeband ohne Kleber", dafür aber beschichtet mit einer Emulsion aus "ferromagnetic powder". Brush vereinbarte, an 3M das Pulver zu liefern, wenn die es auf das Band bringen. Der ganze Job wurde an Dr. Wilfred Wetzel übertragen. Dieser hatte keine Ahnung davon, daß es in Deutschland seit 9 Jahren bereits solche Bänder gab. Eines der Probleme war ganz einfach. Kaum hatte man das Eisenpulver auf das Band gebracht, rostete es einfach weiter und veränderte seine chemischen und magnetischen Eigenschaften.
Viel sonderlicher war, die 3M hatte weder einen Recorder noch irgendwelche Aufnahmeköpfe und Brush tat dermaßen geheimnisvoll, was das am Ende mal geben sollte. Wofür es auch immer sein sollte, Dr. Wetzel nahm an, daß die Beschichtung möglichst glatt sein sollte, damit es nicht irgendwie abgeschabt werden könnte. Unter Wetzels Führung machten die 3M- Wissenschaftler diverse Versuche, die Eisen- Partikel auf das viertel Zoll Band zu kleben und schickten die Muster schnellstens zu Brush.
Bis Ende 1944 hatte noch niemand in den großen USA irgend ein Bandgerät gebaut, geschweige denn einen Aufnahmekopf entwickelt. Irgendwo wurden da sicher ein paar Drahtrecorder benutzt. Alleine die US Navy hatte Interesse an so etwas, um damit die Fragmente der deutschen U-Boot Funksprüche aufzuzeichnen, soweit sie überhaupt zu empfangen waren. Die Qualität der Drahtrecorder war miserabel und das schien sicher das Ziel des "Navy Department Research"- Vertrages mit Brush gewesen zu sein.
Nachtrag:
Der aus Deutschland in die USA emigrierte Dr. Samula Begun war bei Brush gelandet und entwickelte dort ein Tonbandgerät. Daher auch die anonyme und geheime Bestellung des Bandes bei 3M. Samuel Begun war vorher mit im Tonband- Entwickler-Team bei der AEG, mußte aber als Jude recht schnell Deutschland verlassen bzw. war weise genug, nicht zu lange zu warten.
Soweit bekannt ist, hatte er bis Kriegsende keinen Kontakt mehr nach Deutschland. So hatte er auch 1940 die "nochmalige Entdeckung" HF Vormagnetisierung nicht mitbekommen. Dann benutzte Brush später auch noch das anfänglich bescheiden beschichtete Versuchs-Kunststoff-Band von 3M. So wurde das Brush BK 401 aus Qualitätsgründen ein Flop. Es war Ende 1944 nicht besser als eine alte 1936er AEG K2 und wurde bei den Vorführungen vor den Ohren der Tonmeister bei NBC und ABC rigoros abgelehnt.
1944 - Frankreich - der Krieg geht zuende
Mit dem also jetzt funktionierenden AEG K4 wurde so ab 1939 in den Reichs- Rundfunk- Anstalten in Deutschland wie auch in den besetzten Ländern Propaganda mit qualitativ hochwertiger Musik gesendet. Und das bei Mittelwelle. Und trotz super Qualität und Acetyl-Cellulose (später PVC) Bändern haben wir (zum Glück) den Krieg nicht gewonnen.
Und jetzt geht die Story richtig los: (teilweise übersetzt aus dem amerikanischen Englisch aus diversen Quellen)
"Ein junger Techniker aus dem Nachrichten Corps der US Army (Anmerkung: es war Jack Mullin) bekam die Aufgabe, in einem Team der "Aasgeier" der sich zurückziehenden Deutschen Armee zu folgen und alle elektronischen Geräte von Wert und Interesse einzusammeln. Er fand in Frankreich viele Teile von Wehrmachts- (K2-) Magnetbandgeräten, die an der Front benutzt worden waren und er fand später zwei von diesen so super gut funtionierenden Magnetbandgeräten (es waren AEG K4 und natürlich nicht mit Papierband) und eine ganze Bibliothek von excellenten BASF Bändern in den Studios von Radio Frankfurt in Bad Nauheim."
Also mit dem D-Day (heute, während ich den Text schreibe, ist gerade der 60zigste Jahrestag) kamen die Aasgeier, so nannten sich die Amerkaner von diesem Nachrichten Corps (U.S. Signal Corps) selbst, und stöberten und suchten ausgehend von Paris über Luxembourg und in den ganzen befreiten Gebieten nach deutschen "Hightech"- Geräten.
Einer von diesen sarkastisch sogenannten "Aasgeiern" war dieser Major John T. Mullin, genannt Jack, ein junger Elektroingenieur der "damaligen Nachrichtentechnik". Er sollte einfach nur verwendbares Beutegut im Bereich der Nachrichtentechnik aufstöbern und festhalten. Von ihm stammen auch viele Teile dieser Story. Später war er dann dominierend an dem weltweiten Erfolg der (ehemals deutschen) Magnetbandtechnik beteiligt.
1944 - Jack Mullin, ein ganz normaler Amerikaner
Mullin's Entdeckung:
Etwa 6 von diesen Magnetophonen (vermutlich K2) wurden 1944 kurz vor Ende des Krieges in Paris beschlagnahmt und gestestet. Aber Mullin fand, die Dynamik war bescheiden, das Hintergrundrauschen eigentlich schlechter als die in den USA üblichen Schallplatten Aufnahmen und auch die Verzerrungen waren sehr hoch.
Wie auch immer, ein britischer Army Offizier erzählte ihm durch Zufall von einer unglaublichen "Ton-Band"-Maschine in einem der Studios von Radio Frankfurt, die eine bemerkenswete Dynamik und unglaubliche Qualität hatte und fast keine Verzerrungen. Mullin war skeptisch, doch er riskierte einen Besuch.
Später schrieb er folgendes über diese Visite :
"Radio Frankfurt wurde während der Bombennächte des Krieges in ein kleines Städtchen im Erholungsgebiet im Norden von Frankfurt mit Namen Bad Nauheim evakuiert. Die Radio-Station wurde inzwischen von den "U.S. Armed Forces Radio Services" (später AFN genannt) betrieben und das deutsche Personal war immer noch da und bediente die Geräte.
Ich fragte, ob es möglich wäre, eines von diesen Bandgeräten zu hören, die dort benutzt würden. Einer von den Technikern bekam den Auftrag und nahm mich mit in einen Raum, in dem eine riesige Lautsprecherbox stand und zwei von diesen "Magnetophones". Die Mechanik schien die gleiche zu sein wie die, die wir in Paris gefunden hatten, aber die Elektronik war ganz offensichtlich unterschiedlich.
Der Techniker legte eine Rolle Band auf und starte das Gerät. Plötzlich, aus völliger Stille, erklang ein Orchester in solch einer fantastischen Qualität, wie ich sie noch nie in meinem Leben gehört hatte. Von einem tiefen Resonanz- Bass zum Schillern einer Flöte, es war alles da. Und es war sauber! Es war frei von jeder hörbaren Verzerrung. Und als ob das noch nicht genug wäre, der Dynamik- Umfang war fantastisch, verglichen mit allem, mit dem ich jemals experimentiert hatte."
Weiter steht in diesem Bericht:
"Mullins Assistent fotografierte alle Schaltpläne und Bedienungsanleitungen (die waren ja in Deutsch) und sprach mit dem Offizier, ob er ein paar Rollen Band bekommen könnte. Später brachte er zwei Magnetophones und ein paar Bänder in die USA. Nach ein "paar Änderungen" und Tests war er bereit, die Fähigkeiten dieser Maschinen zu demonstrieren."
Aus anderen Berichten geht hervor, es wären sogar ältere K4s gewesen, (also überhaupt nicht die "neuen" K4 mit HF aus Bad Nauheim, eher konfiszierte Geräte von Radio Luxemburg oder sogar aus Paris) bei denen er nach den fotografierten Schaltplänen der Nauheimer K4s die HF Vormagnetisierung nachgerüstet hätte. Alles in allem, es ist zu lange her.
1945 - Der Krieg war verloren
Mit dem verlorenen Krieg konnten sich die Siegermächte und alle, die sich auch dazu zählten, an den vorhanden Schätzen (z.B. den Patenten) des Verlierers bedienen und so hatten wir Deutschen wieder mal das Nachsehen.
Die Patente auf das Type-L Kunststoffband hatten die IG Farben - Division III in Ludwigshafen. Nach dem Krieg haben die Amerkaner und Franzosen (Ludwigshafen lag im Französischen Sektor) die "Intellectual Properties and Rights" der IG Farben (die gesamten deutschen Patente) alle konfisziert und für "Null und nichtig" erklärt.
Eine Quelle sagt: Völkerrechtlich wurden alle deutschen und japanischen Patente als null und nichtig bzw. nicht vorhanden deklariert.
Andere Quellen sagen:
Alleine die Patente des Magnetbandes wurden an 3M übertragen, alle anderen Patente wurden weitgehend nicht beachtet oder ignoriert.
Zum Beispiel die Innovation des Styrofoams half dann doch, die BASF ab Ende der 50er wieder in die Weltspitze der Magnetbandfertigung zu heben. Auch haben die Amerikaner das PVC erst so um 1948 richtig genutzt. Hier in Deutschland gab es das Type-L Band auf PVC Basis ja bereits seit 1943.
Wie dem auch sei, den damaligen Vorsprung bei der Gerätetechnik konnten wir sowieso nicht mehr halten, es war ja so gut wie alles kaputt in Deutschland und die Menschen hatten meist andere Sorgen. Darum ging das Rennen um die Geräte- und die Band-Technik und später um die Video-Band-Technik zumeist in den USA weiter. Auch auf dem weltweiten Markt der Studio-Tonbandgeräte konnten die Deutschen nur noch schwer mithalten. Da hatte ein Herr Studer aus der Schweiz das bessere Händchen.
1945 - Zwei AEG´s "fliegen" in die USA
Nachsatz zu obigem Text :
Verschiedene Quellen schreiben von "der Mitnahme" von einer großen Menge von Ersatzteilen und Bändern, andere von den "beschafften" Magnetophon K2 Geräten aus Paris bzw. von den moderneren K4 von Radio Luxemburg und wieder andere von den beiden K4 Geräten aus Bad Nauheim, die Mullin konfisziert und mit nach USA gebracht haben soll. Die Version von den beiden K4 aus Bad Nauheim scheint nicht zu stimmen. Welche es jetzt wirklich waren, weiß keiner mehr so genau. Mullin hatte ja die Schaltpläne der K4 fotografiert und die waren bis auf die HF Vormagnetisierung nahezu identisch mit den K2. Und er hatte angeblich einige Arbeit, die beiden AEG Bandgeräte später in Kalifornien zusammen zu bauen und zu modifizieren.
Andere Quellen erzählen, das ganze Material war natürlich viel zu groß gewesen für die Militär-Mail, dort gab es strenge Restriktionen für Kriegsbeute. Die AEG´s wurden also von Jack und seinen Leuten zerlegt und stückchenweise (man spricht von über 18 "Päckchen") nach Californien versandt. Dazu kamen noch ca. 50 Rollen von diesem (BASF and Agfa Luvitherm Type-L Tape) Kunststoff-Tonband. Es war wirklich 6,5mm breit und teilweise sogar bespielt.
Die beiden Maschinen wären eigentlich schon die neueste (nach 1940er) K4 Generation gewesen mit HF Vormagnetisierung und den L- Kunststoff- bändern der BASF. Sie waren natürlich nur mit 220V lauffähig, aber sonst absolut kompatibel. Mullin selbst schreibt später nur von "leicht modifiziert". Dann von nur modifiziert auf die 110V in den USA ? War das alles ? Oder mußte er die HF Röhren Stufe noch nachrüsten ?
Bemerkenswert ist, daß keiner der "Siegerstaaten" offiziell an dieser Technologie überhaupt ein Interesse zeigte oder auch nur Gefallen fand. Weder die Russen noch die Amerikaner noch die Engländer, von den Kanadiern und den Australiern ganz zu schweigen, hatte überhaupt jemand die Tragweite dieser Entwicklung richtig eingeschätzt.
Und im Vorgriff auf 1947:
Mit einem "Schubs des Schicksals" bekam er später 1947 die einmalige Gelegenheit, diese Technik dem damals berühmten Bing Crosby höchst persönlich vorzuführen. Diese Demonstration war ein gewaltiger Triumph über die Aufnahme auf Wachs-Platten und legte den Grundstein zu einem riesigen Erfolgsweg.
Das führte dann auch zu der Entwicklung des ersten amerikanischen Audio Recorders von AMPEX, dem Modell 200. Diese Maschine wurde erstmals 1948 bei ABC benutzt. Die robuste Technik der AMPEX 200 und die finanzielle und politische Unterstützung von Crosby drehte den skeptischen Widerstand der Industrie über Nacht in landesweite Übereinstimmung.
1945 - Noch eine Legende - Die Eisenhauer Story
Nachdem gegen Ende 1944 und Anfang 1945 das "American Signal Corps" mehrere dieser deutschen AEG K2 (oder K4) (angeblich aus den Studios von Radio Luxemburg) beschlagnahmt hatte, wurde eine Rede von General Dwight Eisenhower (für das Deutsche Volk) auf Tonband aufgenommen.
Irgendwie hatte die Lösch-Technik (entweder war es der Oszillator oder nur Dreck auf dem Löschkopf) jedoch Macken und die Stimme Eisenhauers war mit einer Rede Hilters (dessen Stimme war ja absolut einprägsam) deutlich unterlegt, bzw. Hitler war in den Sprechpausen Eisenhauers ganz deutlich zu vernehmen. Es muß damals richtig Zoff gegeben haben und es war natürlich für die Leute vom American Signal Corps besonders blamabel.
Der Genaral gab angeblich die sofortige Order, nie wieder deutsches Magnetbandmaterial zu benutzen und übertrug einem Major John Herbert Orr die Aufgabe, schnellstmöglich "solch ein Magnetic Tape" zu entwickeln (und/oder zu produzieren), so die Legende aus "Überlieferungen".
So nahm angeblich Major Orr mit Fritz Pfleumer Kontakt auf und bekam "die Formel" für das Magnetband. Das alles klingt also eher nach einer Legende als nach Tatsachen. Weiterhin hatte Major Orr angeblich nur ca. 2 Wochen gebraucht, um die ersten brauchbaren Rollen Bandmaterial für die deutschen AEG K2 oder K4 herzustellen (selbst für einen "Nichtchemiker" eine Lachnummer).
Nach seiner Rückkehr nach Opelika/Alabama/USA hat Herbert Orr 1945 seine Firma Orradio Inc. gegründet und darin dann wirklich eine eigene Magnetbandfertigung für "edles Bandmaterial" unter dem Label "IRISH" aufgebaut. Die Orrsche Fabrik wurde etwa 1959 von Ampex "aufgekauft", andere sprechen von geschluckt.
Von 1959 an hatte Ampex also einen Idealisten und Spezialisten an Board und endlich eigenes (übrigens excellentes) Bandmaterial, das ist historisch verbürgt. Das Band hieß dann zuerst Ampex Tape und später Quantegy. Damit war Ampex endlich von 3M und den anderen (Japanern) unabhängig.
1945 - im August - 3M entscheidet - Wir machen weiter
Am Ende des Krieges im August 1945 wurde der 3M von Brush mitgeteilt, daß die Entwicklung für die Navy abgeschlossen sei und die weitere Entwicklung des Magnetbandes jetzt direkt von Brush geleitet würde.
Die voran gegangenen Jahre hatten bei 3M doch erhebliche Kosten verursacht und bis jetzt war davon noch kein Cent zurückgekommen. Selbst die Perspektive auf Profit lag in weiter Ferne. Dennoch entschied 3M, die eigene Forschung mit Blick auf ein großes Nachkriegs Potential weiter zu finanzieren.
Zuerst wollte man bei 3M der Vertragslieferant für das fertige Produkt an Brush werden, und vielleicht sogar von weiteren anderen. Aber die Aussichten, nur der Hersteller im Hintergrund zu sein, rechtfertigte nicht die gewaltigen Entwicklungskosten und den damit verbundenen Ertrag. Es gab die wachsende Erkenntnis, daß auch andere Firmen mit dem Magnetband experimentierten und viele andere fingen an, an Aufnahmegeräten zu arbeiten und zu entwickeln. 3M entschied also, aus dem Magnetband ein eigenes 3M Produkt zu machen.
Es gingen aber die Monate ins Land und es war kein Ende in Sicht, auch der Kapitaleinstz wurde ernsthaft diskutiert. 3M entschied wieder mal, das Projekt einschlafen zu lassen, denn es kamen keine neuen Aufträge von Brush.
1946 - Januar - Weitsicht bei 3M
Zum Glück gab es ein paar Enthusiasten bei 3M, die bewiesen Weitsicht und hielten das Projekt am Leben und machten einfach weiter. Der 3M Physiker Dr. Wetzel hat das breite Potential für Magnetband vorausgesehen. Er kam zu der weitsichtigen Schlußfolgerung, daß, wenn man damit Töne aufnehmen kann, man auch Bilder aufzeichen können müsste. Er sah voraus, daß man für beide Techniken das Magnetband brauchte, viel Band und daß weder Eisendraht (also Stahldraht) noch Eisenband (Stahlband) sondern nur das Magnetband das Potential dafür hatte.
Im Januar 1946 erkannte 3M, daß Brush scheinbar ein Aufnahmegerät entwickelte, um es in New York zu zeigen. Das Magnetband- Projekt überschlug sich, deutliche Verbesserungen gelangen erstaunlich schnell. Bereits im Mai 1946 wurden grössere brauchbare Mengen produziert, Band, daß einem gewissen Jack Mullin sehr viel helfen sollte.
Auch wurde später tunlichst tot geschwiegen, daß wirklich größere Mengen (deutsches) 6,5mm Band produziert worden waren, um dem Sender ABC und vor allem dem Sponsor Crosby-Enterprises auf den Weg zu helfen. Auch die ersten 20 Prototyp Maschinen von Ampex sollen angeblich (deutsches) 6,5mm Band gespult haben, ehe man auf die amerikanische 1/4" Breite über ging.
Das 6,5mm Band tauchte später in amerikanischen Second Hand Läden auf und verwirrte die Käufer.
1946 - im Mai - harte Zeiten für Jack Mullin
Am 16. Mai 1946 war das regelmässige Treffen des "San Francisco chapter of the Institute of Radio Engineers" geplant. In den Studios der Radio Station KFRC sollte Jack Mullin als Redner auftreten. Versprochen war eine erstmalige und einmalige Demonstration der beiden deutschen Tonbandgeräte (der Magnetophone) und der Raum war gerammelt voll. Mullin spielte also vom Tonband eine Orchesteraufnahme, dann Sänger und dann eine richtige Orgel, deren Aufnahmen er auf den mitgebrachten Bändern irgendwo gemacht hatte. Die Reaktion war schlichtweg eine Sensation.
Schon früh wurde der Kontakt zu Ampex geknüpft, denn die suchten auch Nachkriegsprodukte. Mullin veteilte seine Informationen aber auch an andere wie den Col. Richard Ranger in New Jersey, der dann auch ein eigenes Bandgerät entwickelte.
Einer der Zuhörer war damals auch Frank Healy von Bing Crosbys Firma. Healy glaubte an Mullin mit seinen deutschen Bandmaschinen, denn der konnte damit eines der brennendsten Probleme seines Chefs lösen.
Ein anderer Zuhörer war Harold Lindsay, der die Verbindung zu der noch jungen Firma Ampex herstellen sollte. Das klappte aber nie richtig. Ampex war eigenwillig und wollte die Erfahrung selbst sammeln. Ampex nutzte die FIAT reports der U.S. Government Intelligence Agency Reports über die deutsche Industrie, um mehr über diese Technik herauszufinden und seine eigenen Tape Recorder zu entwickeln. Doch da stand eigentlich nichts Nennenswertes drinnen.
Jetzt kam Bing Crosby ins Spiel. (Zum Verständnis: Bing Crosby war ein Zwischending zwischen Peter Alexander, Rudi Carell und Udo Jürgens, also der absolute Star in ganz Amerika.)
1947 - Bing Crosby ist sauer
In den Jahren um 1940 sendeten alle amerikanischen Sender live, selbst die Prestige- Sender NBC, CBS and die Grünschnäbel von ABC sendeten live. Es gab nichts akzeptables Anderes. Die "Programm- Macher" glaubten, daß aufgezeichnete Shows für immer fürchterlich klingen und die Zuhörer das Büchsengequäke nicht akzeptierten. Damals konnte nur auf diese 16" Wachs- Platten aufgenommen werden und es klang aus heutiger Sicht infernalisch haarsträubend schlimm.
Bing Crosby war in den USA einer der populärsten Künstler und bei NBC mit "Philco Radio Time" unter Vertrag und ihm war jedes Mittel recht, um sich von den verhaßten wöchentlichen Live-Auftritten zu befreien. So hatte er NBC einen Korb gegeben und die Saison 1945/46 vollständig ausgelassen, er war angeblich richtig sauer. Er kam erst zum Radio zurück, als ihm ABC, die Nummer drei der Rundfunkstationen, definitiv zusagte, er könne seine Shows aufzeichnen, aber nur solange, wie die Ratings oben blieben. Sie haben ihn so von NBC frech abgeworben, denn vorher hatte American Radio Networks landesweit eine verbale Schmutzkampagne gegen aufgezeichnete Programme lanciert.
Für Murdo McKenzie, der technische Direktor von Healy und Crosby, hieß das, Teile der Shows auf einzelnen Platten aufnehmen und dann auf eine neue Platte zusammen montieren. Es war teuer, dauerte lange und, das war das wichtigste, es klang einfach schlimm, ganz speziell sehr schlimm, wenn dieser Kopiervorgang mehrmals stattfinden mußte.
Nach vielen vergeblichen Mühen war das die Chance für Mullin.
1947 - August - 2 "Magnetophones" - der große Test
Folglich wurde Mullin an irgend einem Tag im August 1947 geholt um die erste Crosby Show der aufkommenden Saison 1947/48 auf seinen deutschen Geräten aufzunehmen. NBC hatte es abgelehnt, das auch aufzunehmen, aber Healy und McKenzie nahmen wieder auf Discs auf. Und es wurde damals auch Ranger mit seinem Bandgerät eingeladen.
Mullin erinnert sich an diese Sternstunde :
"Der größte unvergessliche Moment in meinem Leben war, als ich vor meinem "Magnetophone" Bandgerät stand und in Gegenwart von Bing Crosby, John Scott Trotter und Bing's Produzenten Bill Morrow and Murdo McKenzie zum ersten Mal den Wiedergabeknopf drückte. Alles war auf diese Karte gesetzt. Das Ergebnis dieser eindrucksvollen Demonstration war, daß Crosby hier und gleich jetzt sehen wollte, wie man Stücke, speziell den langen Applaus zusammenfügen konnte, um ein sendefähiges Band zu produzieren. Ich machte auch das und alle sahen erstaunt wie begeistert zu, wie einfach das war. Dafür bekam ich den neuen Job, alle Bing Crosby Shows bis zum Ende der Saison aufzunehmen.
Vor unserer Einladung nach Hollywood, um die Crosby Show aufzunehmen, und möglicherweise, also wirklich nur möglicherweise die Stücke zu einer Sendung zu editieren, hatten die Produzenten wirklich alle nur erdenklichen Alternativen recherchiert, die einen Erfolg versprochen hätten (sicher auch, um sich keine Blöße zu geben, weil da ein unbekannter kleiner Elektriker mit zwei "konfiszierten" deutschen Geräten aus Kriegsbeute daher kam). Am Ende blieben wieder nur die bekannten 16" Wachs-Platten und eine photografische Ton-auf-Film Variante übrig. Und ich bin mir ganz sicher, bei ABC gab es vorher nur ganz wenig Hoffnung in uns und unsere deutschen Apparate."
Jetzt fingen die Probleme aber erst richtig an. Mullin (und damit Crosby) hatte natürlich nur diese beiden deutschen AEG K4 Bandmaschinen und 50 Rollen deutschen 6,5mm Bandmaterials aus Bad Nauheim. Glücklicherweise arbeitete 3M an einem kommerziellen Produkt mit dem Trägermaterial Acetat, aber jetzt mit 1/4" (=6,3mm) Breite.
1947 - Ampex beginnt Tonbandgeräte zu entwickeln
Als Mullin 1946 die Magnetophones in San Francisco vorgestellt hatte, waren auch Harold Lindsay und Charles Ginsburg dabei und erlebten diese eindrucksvolle Demonstration. Als Jack Mullin und sein Partner William Palmer die beiden K4 Maschinen später nochmal in den Metro-Goldwyn-Mayer Film Studios vorgeführt hatten, war auch Alexander M. Poniatoff, der Gründer von Ampex, dabei und hörte das Wunder. Ampex produzierte zu jener Zeit wie z.B. auch die AEG elektrische Motoren.
Wie viele andere auch, war Ampex auf der Suche nach einem Nachkriegs- Produkt und Poniatoff entschied, solch ein Tonbandgerät zu bauen. Er stellte Harold Lindsay als Teamchef ein. Eine überlieferte Story sagt aus: Aus dubiosen vertraglichen Gründen durfte angeblich Jack Mullin, er war inzwischen bei Crosby Enterprises angestellt worden, nicht dabei sein noch irgendwelche Schaltpläne herausgeben.
Andere Quellen erläutern sehr kompetent, die Ampex 200 war eigentlich eine mittelmäßige reverse engineered deutsche Magnetophon 'Post Office Version' K4. Das war so unübersehbar eine K4, daß sie nicht mal die Lage der Köpfe mit dem Spalt zur Rückseite des Bandes verbessert hatten.
Angeblich war Ampex recht eingebildet und wollte (oder durfte) auf das Knowhow und die Erfahrung Jack Mullins nicht zurückgreifen. Man war ja mit edelsten Motoren groß geworden.
Wie auch immer, Lindsay bekam seine erste Ampex 200 Maschine mit 3M Band zum Laufen. Diesen Prototyp zeigte Lindsay dann Bing Crosby und der ABC und damit bestellte die damals strauchelnde ABC die ersten 20 dieser Prototy- Maschinen bei Ampex und das hatte dann ABC gerettet.
Die "Legende" erzählt, diese 20 Maschinen wurden immer nur auf den letzten Drücker abgeliefert und waren schwer zusammengebastelt, aber sie liefen.
Andere Quellen erzählen, die ersten 6 Maschinen wurden Anfang 1948 an ABC geliefert und gingen zig Male zwischen Ampex und ABC hin


































